“Wundermittel” Kurkuma

David Emmert

Kurkuma und daraus hergestellte Produkte wie z.B. „goldene Milch“ sind derzeit in aller Munde. Teile der Kurkuma-Befürworter schreiben dem Verzehr der Gelbwurzel nahezu magische Eigenschaften zu. Diese reichen von Aussagen über ein reineres Hautbild bis hin zur Heilung von Krebs oder Herzkreislauferkrankungen.

Kritiker wie die Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim argumentieren hingegen, dass der menschliche Körper die in Kurkuma enthaltene bioaktive Substanz namens Curcumin nur schlecht aufnehmen könne und dass die Befürworter aus Zellkultur- und Tiermodell-Studien vorschnell auf eine positive Wirkung beim Menschen schließen würden (1). Außerdem fehlten aussagekräftige, sauber durchgeführte, wissenschaftliche Versuchsreihen am Menschen, welche die Lobpreisungen der Vertreiber von Kurkuma rechtfertigen würden, heißt es aus den Reihen der Kritiker. Doch welches der beiden Lager hat nun recht? Hierzu wollen wir uns im Folgenden den aktuellen Stand der Kurkuma-Forschung zu Gemüte führen. Zuvor sollten wir jedoch erst einmal klären: was ist eigentlich die Theorie hinter der Verbindung zwischen Kurkuma und Krankheiten?

Die Kurkumapflanze (lat. curcuma longa) stammt ursprünglich aus Südasien, gehört zu Familie der Ingwergewächse und wird vor allem in den tropischen Regionen des Erdballs kultiviert. Verwendung findet v.a. der Wurzelstock der Pflanze. Dieser wird zumeist getrocknet und zu Pulver (eine der Hauptzutaten in Currypulver) weiterverarbeitet, kann aber auch ohne Trocknung verzehrt werden. Der Wurzelstock beinhaltet neben einem großen Wasseranteil, Hauptnährstoffen und Mineralstoffen auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie z.B. ätherische Öle. Der prominenteste Vertreter unter den enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen ist mit großem Abstand das bereits erwähnte Curcumin, welches für die intensive Gelbfärbung der „Safranwurzel“ verantwortlich ist (2). Und genau dieser Substanz werden seitens der Kurkuma-Fans viele positive Eigenschaften zugesprochen.

Allerdings muss hier eine klare Abgrenzung zwischen denjenigen, die ohne wissenschaftliche Anhaltspunkte Anekdoten in den sozialen Medien und anderswo als Wahrheit hinstellen und denjenigen, die tatsächlich mit Bezugnahme auf (mehr oder weniger belastbare) wissenschaftliche Daten argumentieren, vorgenommen werden. Während die Argumentation ersterer sich bereits durch die Tatsache entkräften lässt, dass der Plural von „Anekdote“ nicht „Evidenz“ ist, so stößt man bei letzteren eher auf Hypothesen über biologische Wirkmechanismen.

Der wichtigste Wirkmechanismus, auf den Kurkuma-Advokaten Bezug nehmen, ist vermutlich, dass Curcumin antioxidativ wirken und somit in der Theorie einen Einfluss auf den oxidativen Stress im Organismus haben kann. Dass oxidativer Stress eine wichtige physiologische Rolle zukommt (z.B. beim Muskelaufbau), gilt ebenso als gesichert, wie die Hypothese, dass oxidativer Stress in chronischer Form die Entstehung von diversen Krankheiten begünstigt. Und tatsächlich kommt eine in diesem Jahr erschienene Meta-Analyse (diese stellen die höchste Stufe an wissenschaftlicher Evidenz dar) klinischer Kurkuma-Studien zu genau diesem Ergebnis: Die Gabe von Kurkuma oder des Wirkstoffs Curcumin kann die Bildung von Schadstoffen, die durch oxidativen Stress entstehen, signifikant vermindern sowie zu einer merklichen Aktivierung von Teilen der körpereigenen antioxidativen Enzyme führen (3).

Doch auch auf den Fettstoffwechsel im menschlichen Organismus scheinen Curcuminoide, also die chemischen Abkömmlinge von Curcumin, eine positive Wirkung zu haben. Somit könnte auch eine Herzkreislauf-präventive Wirkung vorliegen, da besonders ein gestörter Fettstoffwechsel (von Fachleuten als Dyslipidämie bezeichnet) und die Entstehung von Herzkreislauferkrankungen eng miteinander verbunden sind. Eine 2017 veröffentlichte Auswertung 20 klinischer Studien, bei denen den Probanden Curcuminoide verabreicht wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass die Gabe dieser Stoffe die Neutralfette im Blut (auch Triglyzeride genannt) deutlich senken kann.

Ein leichter Anstieg der Konzentration des „guten“ HDL-Cholesterins konnte ebenfalls nachgewiesen werden. Keinen merklichen Einfluss gab es hinsichtlich der Gesamtkonzentration an Cholesterin und auch der Spiegel an „bösem“ LDL-Cholesterin zeigte sich unbeeinträchtigt (4). Curcuminoide könnten also möglicherweise eine Rolle in der Prävention von Herzkreislauferkrankungen spielen, Langzeit- Untersuchungen mit sog. „harten Endpunkten“ (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) liegen derzeit allerdings noch nicht vor.

Ergo kann im Moment noch keine Aussage darüber getroffen werden, ob durch Curcumin und seine chemischen Verwandten verbesserte Blutfette sich auch tatsächlich in einem verminderten Risiko für Herzkreislauferkrankungen niederschlagen.
Betrachtet man das Thema „Kurkuma und Gesundheit“ aus wissenschaftlicher Perspektive, so lässt sich festhalten, dass die von Seiten der Kurkuma-Befürworter teilweise angeführten Behauptungen nicht haltbar sind. Doch auch das Lager der „Kurkuma-Skeptiker“ liegt schlichtweg falsch, wenn davon gesprochen wird, dass es „keinerlei belastbare Studien am Menschen“ (1) gäbe. Ob Kurkuma sich in der Zukunft doch noch als das „Wundermittel“ schlechthin erweist oder ob entsprechende Langzeit-Studien doch keinen Effekt zeigen können, das weiß weder die eine noch die andere Seite

Quellenangaben:

1. https://www.youtube.com/watch?v=TjqhsbGUoJw

2. Siewek F. Exotische Gewürze Herkunft Verwendung Inhaltsstoffe. Springer-Verlag, 2013, ISBN:978-3-0348-5239-5, S. 72

3. Qin S, Huang L, Gong J, Shen S, Huang J, Tang Y, Ren H, Hu H. Meta-analysis of randomizedcontrolled trials of 4 weeks or longer suggest that curcumin may afford some protection againstoxidative stress. Nutrition Research 2018; 60: 1-12

4. Simental-Mendía LE, Pirro M, Gotto AM, Banach M, Atkin SL, Majeed M, Sahebkar A. Lipid-modifying activity of curcuminoids: A systematic review and meta-analysis of randomized con- trolled trials

Bild © stevepb /Pixabay.com

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