Brombeeren: ein heimisches Superfood

Wer braucht schon Açai- oder Aronia-Beeren, wenn gerade Brombeerzeit ist? Weder geschmacklich noch ernährungsphysiologisch muss dieses heimische Superfood, das voller Anthocyane & Tannine steckt und derzeit Saison hat, den Vergleich mit exotischem Beerenobst scheuen.

Welche gesundheitlichen Effekte die Brombeere hat, schauen wir uns in diesem Beitrag etwas genauer an.

Botanisch gesehen zählen Brombeeren – manchmal auch Kratzbeeren genannt – zu den Rosengewächsen, sie gehören also zur selben Familie wie Äpfel, Birnen und Mandeln. Saison haben Brombeeren hierzulande von August bis September. Neben einem hohen Wassergehalt, Ballaststoffen und insgesamt ca. 5 g Glucose und Fructose (zu jeweils gleichen Teilen) pro 100 g stecken in Brombeeren wie bereits erwähnt auch jede Menge sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, allen voran Anthocyane und Tannine. Während Erstere für die dunkle Farbe der Früchte des Brombeerstrauches verantwortlich sind, werden die enthaltenen Tannine vor allem für ihre therapeutische Wirkung geschätzt.

Zell- und Tierversuche zu (Brom-)Beeren und daraus hergestellten Extrakten gibt es zuhauf. Wer Übersichtsarbeiten zu diesem Thema liest, stößt schnell auf nahezu alle denkbaren Effekte. Gerade in Zellversuchen lässt sich eine extreme Bandbreite positiver Effekte nachweisen, die von antikanzerogenen über antidiabetische bis hin zu kardioprotektiven Wirkungen reichen. Und auch die Ergebnisse von Tierexperimenten scheinen Brombeeren eine gesundheitlichen Nutzen zu attestieren: Studien an Laborratten verzeichneten u.a. eine Erhöhung der Knochendichte sowie eine verbesserte motorische Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus konnten Untersuchungen an Mäusen zeigen, dass das die Gabe des Haupt-Anthocyans der Brombeere, Cyanidin-3-Glycosid, das Körpergewicht und die Körperzusammensetzung positiv beeinflusst.

Human-Studien sind rar gesät

Aussagekräftige Studien zu den Auswirkungen des Brombeerkonsums beim Menschen gibt es hingegen nur eine Handvoll. Neben einigen Kohortenstudien, die den Brombeerkonsum und im Allgemeinen die Zufuhr von Anthocyanen mit einen gesundheitlichen Nutzen assoziieren, gibt es aber tatsächlich auch ein paar gut gemachte Interventionsstudien, die für den Verzehr von Brombeeren sprechen. Die bereits angesprochene gewichtsregulierende Wirkung aus Tierversuchen wurde von einer Studie US-amerikanischer Forscher an insgesamt 27 Probanden mithilfe einer Cross-over-Studie untersucht. Das Resultat der Studie bestätigte dabei zumindest teilweise die Erkenntnisse aus Tierversuchen, denn während der Phase, in der die Probanden 600 g Brombeeren pro Tag verzehrten, lag der respiratorische Quotient der Probanden signifikant unter dem Niveau während der Kontrollphase, was auf eine erhöhte Fettoxidation schließen lässt. Darüber hinaus wurde auch die Insulinsensitivität durch den Brombeer-Konsum deutlich verbessert, eine Veränderung des Körpergewichts wurde jedoch nicht demonstriert.

Auch die Kognition wird vom Brombeerverzehr wohl positiv beeinflusst: Psychologen der Universität Reading konnten in einem Experiment zeigen, dass der in der Interventionsgruppe durch den Verzehr eines Beerensmoothies, der neben Brombeeren noch Heidelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren (jeweils 75 g) enthielt, im Vergleich mit der Kontrollbehandlung, die einen Placebo-Smoothie mit gleichem Vitamin C- und Kohlenhydratgehalt aber ohne sekundäre Pflanzenstoffe verabreicht bekam, die kognitive Ermüdung über einen Zeitraum von 6 Stunden weniger stark ausgeprägt war als in der Vergleichsgruppe. Auf den Antioxidanzien-Haushalt scheinen die mit antioxidativen Verbindungen gespickten Brombeeren jedoch seltsamerweise keinen Effekt auszuüben. Zu dieser Thematik wurden bisher zwei humane Interventionsstudien durchgeführt. Keine der beiden Untersuchungen konnte zeigen, dass die antioxidative Kapazität des Bluts von Probanden durch die Gabe von Brombeeren in relevantem Maß verbessert wird, obwohl es eine Vielzahl von In-vitro-Studien gibt, die derartige Effekte nahelegen.

Lagerung und Verarbeitung senken Anthocyan-Gehalt

Wir können also festhalten, dass es Anhaltspunkte dafür gibt, dass Brombeeren gesundheitsfördernde Effekte besitzen und dass diese, wenn man die Ergebnisse aus Grundlagenforschung und Humanstudien kombiniert, möglicherweise auf den Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen zurückzuführen sind. Beachtet werden sollte jedoch, dass der Anthocyan-Gehalt von Brombeeren alles andere als in Stein gemeißelt ist und von vielen Faktoren abhängt. Deutliche Einbußen erleidet der Anthocyangehalt unter anderem dann, wenn die Beeren zu Saft verarbeitet werden, weil dabei die Samen und die Haut der Beeren physisch entfernt werden, denn dort sind die genannten Polyphenole besonders stark konzentriert sind. Doch auch durch die Lagerung bei Raumtemperatur wird u.a. durch die Frucht-eigenen Enzyme ein Teil der Anthocyane abgebaut. Am besten also auf möglichst frische Ware achten oder im Idealfall selber pflücken gehen und die Beeren direkt verzehren. Wenn Ihr jetzt Lust auf Brombeeren bekommen habt, dann probiert gerne mal unser Rezept für super leckeres Brombeereis aus.

Bildquelle: Pexels Ir Solyanaya

Literatur

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